Fahrtraining

Pferdeanhänger-Fahrtraining


Das „Pferdeanhänger-Rückwärtsfahren“ bzw. „-Rangieren“ liegt offensichtlich doch nicht auf dem Y-Gen … Fahrlehrer Sascha Dosoudil macht den sieben Teilnehmerinnen gleich zu Beginn des Kurses Mut und verspricht, am Ende des Tages können alle gut rückwärts einparken: „Frauen sind ohnehin die besseren Einparker – sie machen es mit Ruhe und Geduld.“




Mut machen muss er tatsächlich ein wenig, weil alle Teilnehmenden (auch der „Quotenmann“), Respekt vor der Aufgabe haben, klar – sonst hätten sie den Kurs nicht gebucht.


Anfangs gibt‘s während des Frühstückens, für das Schriftführerin Cati Barthelmess liebevoll gesorgt hat, ein wenig Theorie. Unter anderem kommen die Führerscheine auf den Tisch und es werden ein paar Buchstaben und Nummern geklärt. Zum Beispiel: Wer darf was überhaupt fahren? Da alle bis auf die jüngste Teilnehmerin mit Anfang 20 schon „über 44 Jahre“ sind, wie Sascha augenzwinkernd feststellt, haben sie per se die Erlaubnis, Gefährte bis 7,5 t zu fahren. Aber die Antworten auf die Frage, wie oft jeder durchschnittlich mit Anhänger fährt, ob ein- oder zweimal in der Woche, machen deutlich, warum Unbehagen und Unsicherheit bestehen: Die meisten kommen nicht mal annähernd auf einmal im Monat – oft nur vier-, fünfmal im Jahr (zu Kursen oder Turnieren). Also schlichtweg ein Mangel an Erfahrung und Übung. Sascha schlägt vor, wie die Motoradfahrer, die Anfang der Saison gern ein Sicherheits-Fahrtraining absolvieren, das auch mit dem Anhänger zu machen.


Dann geht‘s ans Fahren.

 

 

Samstagmorgen auf „Das Vertherland“ (vielen Dank an Jojo und Angelika Uekötter für die Gastfreundschaft) und es ist, Gott sei Dank, nichts los! Kein Verkehr, viel Platz, die Möglichkeit im Kreis zu fahren, und mehr als genug leere Parkplätze im 90-Grad-Winkel zur Straße. Vier Teilnehmende haben (noch) keinen eigenen Anhänger und dürfen mit einem Fahrschul-Gespann üben, eine Teilnehmerin, die sogar aus Düsseldorf angereist ist, hat einen geliehenen Anhänger, die anderen drei sind mit eigenem Gespann da.

Die erste Aufgabe ist, in einer recht langgezogenen Linkskurve rückwärtszufahren, die Fahrbahn ist auf beiden Seiten mit Hütchen begrenzt.

Eine fährt, alle anderen stehen drumherum und lauschen den Worten des Fahrlehrers: „Eine halbe Umdrehung des Lenkrads nach recht einschlagen und langsam zurückrollen.“ Erste Überraschung schon nach zwei Sekunden: „Und jetzt das Lenkrad geradestellen. Und weiter langsam rückwärtsrollen.“ Wie jetzt schon geradelenken…? Und? Magic! Der Anhänger läuft langsam um die Kurve. Danach vorsichtig mit dem Anhänger mitlenken, also links einschlagen. Kurz bevor der Anhänger parallel zu den Hütchen ist, das Auto gerade vor den Anhänger stellen. Und fertig!


Jeder fährt diese Kurve zweimal und nach der Kaffeepause wird von beiden Seiten aus in eine Parkbucht im rechten Winkel zur Straße eingeparkt. Wir lernen:

1. Impuls geben, damit der Anhänger in die richtige Richtung steht.

2. Lenkrad geradestellen und Geduld und Ruhe bewahren.

3. Mitlenken

4. Sollte der Anhänger beim geraden Zurücksetzen aus der Spur laufen, vorsichtig und nur ganz kurz dorthin einschlagen, wo der Anhänger im Außenspiegel zu sehen ist.

5. Verboten sind: schnelle, hektische Lenkbewegungen, Lenkbewegungen mit vollem Einschlag (außer in erforderlichen Situationen) und zu zügiges Fahren.


Obwohl es sich so einfach anhört, bringt das „kleine Quizz“ zwischen Fahrlehrer, Fahrendem und Zuschauenden, wenn das Gespann in einer „kritischen“ Situation angehalten wird, auch am Ende des Tages teilweise noch unterschiedliche „Vorschläge“, wohin denn jetzt eingeschlagen werden muss


Am Ende des Tages aber sind alle glücklich und zufrieden und fahren mit einem sicheren Gefühl und erstarktem Selbstbewusstsein heim. Fahrlehrer Sascha bekommt eine Eins mit Sternchen, weil er methodisch-didaktisch sehr gut geschult hat und empathisch und geduldig war. 37 Jahre Erfahrung als Fahrlehrer und Ausbilder für Fahrlehrer bei der Bundeswehr haben sich für die Teilnehmenden ausgezahlt.



Christiane Späte